Die Rückfahrt entlang des Toten Meeres
verläuft sehr entspannt. Obwohl es die kürzeste Verbindung zwischen Jerusalem
und dem südlichen Teil des Landes ist, sind nur wenige Autos unterwegs. Nur gelegentlich
parken an Aussichtspunkten über dem Toten Meer Touristen und Israelis ihre
Autos, vertreten sich die Beine und photographieren das Panorama.
Kurz hinter der jüdischen Siedlung
Kalya, die sich damit brüstet die am tiefsten gelegene Bar der Welt bei -417
Metern zu haben, biegt die Straße erst gen Norden ab und führt dann hart nach
Westen hinauf in die Berge vor Jerusalem. Abermals überwinde ich in wenigen Kilometern
1200 Höhenmeter und fädle mich in das Stadtautobahngewirr der Hauptstadt ein.
An den Grenzposten werde ich durchgewinkt. Da es noch hell ist, kann ich nicht
erwarten im jüdischen Teil der Stadt ein offenes Geschäft, geschweige denn
einen Imbiss vorzufinden. Deswegen entscheide ich mich für die mir bereits
vertraute Gegend in French Hill und will dort nochmals den Imbiss mit den
Riesenportionen aufsuchen. Leider ist auch dieser geschlossen, so dass ich erst
vor dem Damaskus-Tor, dem absoluten Touristen-Hotspot fündig werde. Gegenüber
dem Busparkplatz ist eine Laden- und Imbisszeile, an der rege Betriebsamkeit
herrscht. Touristen, wie arabische Einheimische sitzen an den unzähligen
Tischen im Freien vor den Geschäften, essen und lassen sich arabischen Tee
schmecken. Ich entscheide mich für eine Falafelbude und muss mich damit
abfinden, dass ich als Tourist grundsätzlich als allerletzter bedient werde,
obwohl ich von allen Gästen am längsten anstehe. Um mich herum stehen immer
mehr Homies von den Angestellten und bekommen ihre Vorzugsbehandlung. Jeder
bestellt gefühlt eine Familienportion und äußert diverse Probier- und
Extrawünsche, die allesamt erfüllt werden. Zudem beugt sich ein älterer Herr
mit Kufiya, traditionellem Gewand und dem deftigsten Schnauzbart seit
Wachtmeister Dimpfelmoser beständig halb über mich und halb über den Tresen, um aus der sich dahinter befindlichen Schale eingelegtes Gemüse in seinen
Rachen zu schieben und die Theke mit dem Abtropfwasser einzusudeln. Der Kerl
besitzt offensichtlich Status, Connections, Einfluss, oder alles zusammen,
sonst hätte ihm bei soviel Dreistigkeit sicherlich selbst der in engste
Familienbande und Zugehörigkeitszwänge involvierte Muselmann auf die Finger
gehauen. Denn auch die Popelbremse sieht weniger nach gepflegtem
Oberlippenbart, als nach einer haarigen Ablagerungsstätte einer
knoblauchähnlichen Gewürzphantasie aus. Kann bei aller Vorzugsbehandlung nicht mal einer der Tresenburschen dem Jassir den Tipp geben seine Gesichtsfotze den heilenden Kräften des Toten Meeres auszusetzen, oder zumindest in wahrscheinlich nicht weniger heilsamer Halloumi-Salzlake zu wässern?
OK, dass Alles zusammen wäre soweit kein großes Problem, da ich die Gabe besitze zu den richtigen Zeiten Demut empfinden zu können, wenn nicht mein Auto etwa 50m und außer Sichtweite im absoluten Park- und Halteverbot in einer ausgewiesenen Ladezone stehen würde. Die Polizeipatrouille auf der gegenüberliegenden Straßenseite vereinfacht die Situation nicht unbedingt. Ich muss mir also eine Taktik überlegen um endlich als souveräner Kunde wahrgenommen zu werden. Ich versuche es mit einem direkten Angriff, indem ich mit einem fünfzig Schekel Schein fuchtle, mein altbewährtes dämliches Grinsen aufsetze und „Salam Alaikum Habibo! One Falafel-Sandwich please“ von mir gebe. Der Typ hinterm Tresen nimmt nun tatsächlich Notiz von mir und die Bestellung auf. Dennoch dauert es gefühlt zehn weitere Sandwiches, bis ich meines in die Hand gedrückt bekomme. Dafür kostet es lediglich 18 NIS. Schnell haste ich zurück zum Auto und fahre in eine ruhigere Seitenstraße.
OK, dass Alles zusammen wäre soweit kein großes Problem, da ich die Gabe besitze zu den richtigen Zeiten Demut empfinden zu können, wenn nicht mein Auto etwa 50m und außer Sichtweite im absoluten Park- und Halteverbot in einer ausgewiesenen Ladezone stehen würde. Die Polizeipatrouille auf der gegenüberliegenden Straßenseite vereinfacht die Situation nicht unbedingt. Ich muss mir also eine Taktik überlegen um endlich als souveräner Kunde wahrgenommen zu werden. Ich versuche es mit einem direkten Angriff, indem ich mit einem fünfzig Schekel Schein fuchtle, mein altbewährtes dämliches Grinsen aufsetze und „Salam Alaikum Habibo! One Falafel-Sandwich please“ von mir gebe. Der Typ hinterm Tresen nimmt nun tatsächlich Notiz von mir und die Bestellung auf. Dennoch dauert es gefühlt zehn weitere Sandwiches, bis ich meines in die Hand gedrückt bekomme. Dafür kostet es lediglich 18 NIS. Schnell haste ich zurück zum Auto und fahre in eine ruhigere Seitenstraße.
Nach vollendetem Mahl ist es erst um 17:00
Uhr und trotz der bereits geschafften Strecke und besichtigten Attraktionen
empfinde ich es zu früh um mich auszuruhen.
Ich entscheide mich nach Yad Vashen zu
fahren. Innerlich bin ich froh, dass die monumentale Gedenkstätte der
Erinnerung an die industriell vernichteten Juden des Nationalsozialismus heute
nicht geöffnet hat. Zu bedrückend empfinde ich die Erzählungen und Berichte
über die dort zur Schau gestellten Photos, Kunstwerke und Ausstellungen, als
dass ich mich auf meinem bis jetzt doch recht frivol gehaltenen Trip diesen Eindrücken
stellen möchte.
Doch leider bekomme ich nicht den Hauch
einer Ahnung des Menschgewordenen Schreckens, da die Gedenkstätte am Shabat
noch nicht einmal von außen zu besichtigen ist. Ein großes abgesperrtes Tor verhindert
das Begehen des Areals. Dafür erwacht dass Leben auf den Straßen so langsam
wieder. Immer mehr Autos fahren herum und die Geschäfte öffnen ihre Türen.
Zuvor waren viele Familien zu Fuß unterwegs. Unter Ihnen auffallend viele Orthodoxe. Lustwandeln
scheint den schwarzen Jecken am Shabbat also erlaubt zu sein.
Für mich soll die Spazierfahrt nun enden
und ich begebe mich auf die Suche nach einer Tankstelle zum Auffüllen des Tanks
und einem Stellplatz für die Nacht. Dieser sollte im besten Falle nicht zu weit
von dem Autoverleih entfernt, außerhalb von störenden Lichtquellen und
geschützt von Verkehr sein. Nach einigen Minuten Suche finde ich sowohl eine
Tankstelle, wie auch wenig später das passende Plätzchen zum Übernachten vor
einer Schule in der Nähe der Knesset.
Ich packe vorsorglich schon mal meine
Sachen zusammen, damit ich morgen früh keine Zeit darauf verschwenden muss und
entscheide heute Abend ins Kino zu gehen. In Richtung Altstadt gibt es ein
unabhängig betriebenes Kino mit interessantem Programm. Zwar muss ich dorthin
eine gute halbe Stunde Laufen, was hinsichtlich der morgigen Tour nach Hebron
und der Blasen an den Hacken für kurzes Unbehagen bei mir sorgt. Aber nachdem
ich in meine ausgelatschten Sneaker gewechselt habe, erscheint mir das Laufen
gleich viel einfacher.
Am Kino angekommen stelle ich fest, dass
Samstagabend Großkampftag an der Kinokasse zu sein scheint. Die Hütte ist
proppevoll und ich fürchte um einen Platz in dem von mir ausgesuchten Film. Da
der Teufel aber immer auf den größten Haufen kackt, bekomme ich nach einer
knappen halben Stunde Anstehen doch noch eine Karte am äußersten Rand der
Saalbestuhlung und kann den Film pünktlich zum Ende der Werbung genießen.
Ich habe mir einen Dokumentarfilm eines
Israelischen Regisseurs ausgesucht, mit dem Namen: „You only die twice“. Der
Film behandelt eine Geschichte, die so nur vom Leben geschrieben werden kann.
Der Regisseur begibt sich in Folge einer unerwarteten Erbschaft auf eine Spurensuche in die Vergangenheit des ihm bekannt geglaubten Großvaters und gelangt in die
Abgründe der eigenen Familiengeschichte, die bis vor die Zeit des Nationalsozialismus
reicht und mit dieser tief verbunden ist. Er kommt bei seinen Recherchen einem
unglaublichen Geheimnis und einer großen Liebe auf die Spur und gewinnt
unerwartet neue Freunde. Den Trailer der deutschen Version kann man bei Youtube
unter dem Namen „Der Mann, der zweimal starb“ anschauen.
Der Film ist auf Hebräisch, Englisch und
Deutsch und Englisch untertitelt, wie ein Thriller konzipiert und die Story so
verworren und spannend, dass die 90Minuten Laufzeit wie im Fluge vergehen.
Gegen 22:30 bin ich wieder am Auto und
bereite mir ein weiteres Mal ein provisorisches Nachtlager. Ich stelle den
Wecker auf 06:00 Uhr. Die Abgabestation der Autovermietung ist knapp zwei
Kilometer von meiner Schlafstätte entfernt. Das macht in Fahrtzeit etwa fünf
Minuten. Wenn ich pünktlich zur Öffnung des Schalters um 07:00 Uhr dort
eintreffe, dann werde ich hoffentlich spätestens um 07:20 los zum
Hotel können. Bis zum Hostel werde ich ebenfalls etwa zwei Kilometer laufen müssen. Um 08:00 Uhr pünktlich zum Tourstart da zu sein,
sollte kein Problem darstellen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Auto ohne Beastandung angenommen wird.
Leider bin ich vielleicht auch deswegen innerlich sehr aufgewühlt, so dass ich partout nicht einschlafen kann. Immer wieder wache ich in der Nacht auf und komme insgesamt vielleicht auf vier Stunden Schlaf. Vielleicht kennt ihr diesen Zustand, in dem man aufwacht und sich im vollen Bewusstsein darüber ärgert, dass man vor einem ereignisreichen Tag einfach nicht genug Schlaf bekommt, obwohl man ihn eigentlich total nötig hätte. Und um mir hier in der Enge und relativen Einsehbarkeit des Beifahrersitzes einen runterzuholen bin ich dann doch zu beherrscht.
Leider bin ich vielleicht auch deswegen innerlich sehr aufgewühlt, so dass ich partout nicht einschlafen kann. Immer wieder wache ich in der Nacht auf und komme insgesamt vielleicht auf vier Stunden Schlaf. Vielleicht kennt ihr diesen Zustand, in dem man aufwacht und sich im vollen Bewusstsein darüber ärgert, dass man vor einem ereignisreichen Tag einfach nicht genug Schlaf bekommt, obwohl man ihn eigentlich total nötig hätte. Und um mir hier in der Enge und relativen Einsehbarkeit des Beifahrersitzes einen runterzuholen bin ich dann doch zu beherrscht.
Aber watt willste machen? Eben! Einfach
ausliegen die Angelegenheit und auf Hypnos Gnade hoffen. In diesem Sinne gute
Nacht und bis morgen früh...

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