Montag, 26. November 2018

ISRAEL 2018 - Tag 1, Teil IV


Ofirs Apartement befindet sich etwa auf Höhe der Strandabschnitte Frishman, Gordon und auch der Schwulenstand Hilton ist nicht weit entfernt. La Mer... Da will ich hin!
Ich laufe die Ben Yehuda Street etwa einhundert Meter nach Norden und biege dann in die Sderot Street gen Westen ab. Diese verfügt über eine kleinen, begehbaren Mittelstreifen, auf dem sich bereits badefreudiges Klientel in die gleiche Richtung tummelt. Reiht man sich einmal in diesen lebensfrohen Strom ein, wird man auch schon links und rechts von joggenden Sportskanonen überholt. Bevor jedoch der Strand erreicht ist, sieht man sich mit einem durchgehenden Betonbrutalismus aus dutzenden Hotels konfrontiert, der die Straßen von Tel-Aviv wie eine Mauer vom Strand trennt. Das wohl schönste Exemplar gilt es an dieser Stelle zu bezwingen.
In seiner zweckmäßigen Hässlichkeit stelle ich mir die Frage, ob ich es hier nicht eher mit einem überdimensionierten Wellenbrecher, denn einem Hotel zu tun habe. So fehlt dem Carlton Hotel dann auch das Ritz im Namen. Bezwingt man die Treppenstufen und den nicht weniger hässlichen Vorplatz, wird man mit einer schönen Aussicht über die nördlichen Abschnitte der 14km langen Strandpromenade Tel-Avivs belohnt. Während hier oben der pragmatische Charme der 1970er Jahre dominiert, herrscht 15m unter mir reges Treiben, dass auf die Bedürfnisse einer urbanen, modernen Gesellschaft perfekt zugeschnitten ist. 
Unterstellt man den Stadtoberen in den wasserabgewandten Straßen noch eine gewisse Nachlässigkeit in Punkto Sauberkeit und Modernisierung, so ergibt sich hier ein überraschend sauberes und fast schon ästhetisches Bild einer Infrastruktur, die Funktionalität, Komfort und Interessen ihrer Nutzer auf fast schon skandinavische Art und Weise miteinander zu verbinden weiß. Die Strände sind weit und geräumig, dass Wasser blau und rein, doch vor Allem die Ausstattung der jeweiligen Abschnitte macht sie zu etwas Besonderem. Thematisch voneinander getrennt liegen hier Spielplätze, Fitnessgeräte, Beachvolleyballfelder, Liegestühle, bloßer Strand etc. nebeneinander, jedoch in Harmonie miteinander verbunden und ergänzen sich zu einem Eklektizismus purer Freizeitwonne. 
Die Sonne steht noch am Himmel und deutet bereits  vage an in etwa einer Stunde genau gegenüber zu versinken und dem Betrachter somit einen weiteren verheißungsvollen Moment des Staunens zu bescheren. 
Kein Wunder, dass Sylt nicht an der Ostsee liegt. 
Ich genieße die Aussicht für einige Minuten und lasse den Geruch aus Salz, Serotonin und Sonnenmilch auf mich wirken. 
Blickt man nach Süden, Richtung Jaffa, wird einem Gewahr, warum Israel auch als Hightech-Standort begriffen wird. Die Skyline wirkt übermodern und stylisch. 
Irgendwie geil hier jetzt zu stehen, den warmen Wind und die Sonne auf der Haut zu spüren und zu wissen, den Alltag für sieben Tage hinter mir lassen zu können. 
Ich entscheide mich an den Strand zu gehen. Linkerhand führt die Treppe zu einem größeren Platz, an dem sich Surfer für einen Ritt bereit machen. Daneben duschen Rentner sich das Salzwasser von den Körpern und fahren Kinder mit Inline-Skates und Skateboards herum. Das Wasser brandet sanft, aber bestimmt an eine Mole und alles lustwandelt und zerstreut sich im Takte einer diffusen Melodie, die nur mediterrane Städte zu komponieren vermögen. 
Beschwingt begebe auch ich mich in den frohen Reigen und lasse mich treiben. Um mich herum Menschen, viele Menschen. Doch auch hier ein Loblied auf die Stadtplaner. Die Promenade lässt viel Platz und es kommt einem nicht überfüllt vor. Zudem fühlt es sich recht natürlich an hier zu sein, da eine gute Mischung aus Einheimischen und Touristen zu bestehen scheint. 
Besonders markiert ist ein Rad- und E-Vehikelstreifen, auf dem unzählige Menschen mit Fahrrädern, Inlinern und E-Rollern unterwegs sind. Die einen gemächlich, die anderen im Affenzahn. Sogar E-Rollstuhlfahrer brettern in High-Speed umher, als wenn sie nichts Weiteres zu verlieren hätten. 
Zur Wiederaufnahme der verbrannten Kalorien kann man sich in den unzähligen Restaurants und Bars stärken, die aber meinem Geschmack nach etwas zu geleckt, unpersönlich und steril daher kommen. 
Alles schick hier, Tres chic. 
Die Nah-Ost-Variante einer skandinavischen Hauptstadt. Ähnlich die Klamotten und Stilmixe.
Anstatt meinen Weg in südliche Richtung fortzusetzen, entscheide ich mich für das Gegenteil. Im Norden soll der Strand erst zum Schwulenstrand und dann zum Strand der Orthodoxen übergehen. Letzterer mit Sichtschutz für sittsames Baden, ersterer dafür umso freizügiger. 
Ich überlege, ob diese Nähe zueinander eher auf der Toleranz, die der Stadt des Öfteren zugeschrieben wird, beruht, oder ob ihr eine gewisse Ironie des Schicksals inne wohnt, die sich an der Unterschiedlichkeit der jeweiligen Nutzer erfreut und in meiner vorauseilenden Phantasie symptomatisch für ein Land voller Gegensätze steht. 
Die Antwort kennen wohl nur Jahwe und Dionysus.
Nach wenigen hundert Meter erreiche ich den Schwulenstrand, an dem sich einige Paradiesvögel tummeln. Unmengen an gut aussehenden, einander abcheckenden Männern mit ihren fein gestutzten Bärtchen und den frisch für den Urlaub eingekauften "New-Balance-Sneakern". 
Viel Haut und viel Gepose. 
Ein paar der Jungs (oder sagt man Boyz?) sind mir bereits in Berlin am Flughafen in der Schlange hinter mir aufgefallen; mit ihrer nach edler Hautcreme duftenden, leicht frivolen Aura und den im Apollo gestählten Körpern. Nun stehen sie hier und tauschen abwechselnd mal harte, mal verstohlene Blicke des Abcheckens. Beneidenswert und Bemitleidenswert zugleich im Stolze ihrer hart erkämpften Freiheit und der gleichzeitigen Gezwungenheit der Regeln ihrer Subkultur.
Vorurteile? Niemals!
Dafür aber Ressentiments gegenüber Hundebesitzern. Kommt da doch tatsächlich wieder einer dieser Paraphilen mit seiner Rennratte auf mich zu. Die Töle sogar mit kleinem Laibchen und natürlich nicht angeleint, dafür aber zwischen Allem und Jedem am rumwuseln. So auch an meinen Beinen. Der Typ ist offensichtlich stockschwul und durch das fortgeschrittene Alter, sowie die fehlende charakterliche Reife des Kinderlosgebliebenen hoffnungslos in einer Endlosschleife des „Dazugehörenwollens“ gefangen, was sich vor Allem an seiner ab-so-lut unpassenden Garderobe feststellen lässt. 
Skinny Jeans, zu enges Polohemd und aufgepimpte Turnschuhe der Marke „Balenciaga“. Ja, tatsächlich "Balenciaga"!  
Sieht es so aus, das Camouflage der charakterlichen Unzulänglichkeiten? 
Warum nicht einfach das klassische Blouson in hellbeige? Oder eine Multifunktionsweste mit dutzenden Taschen? Da würden dann auch die Kackebeutel rein passen, die ich bei diesem Carl Lagerfeld Verschnitt nirgendwo ausmachen kann.
Wenn du nicht gleich deinen Wauwau wegnimmst, dann setzt es aber was, denke ich mir. Da ich aber eher zu den Sprücheklopfern und geistigen Brandstiftern zähle, denn Mann der Tat bin, setze ich meinen Weg einfach fort und ignoriere den herausgeputzten Schöngeist demonstrativ. 
Sorry Leute; würde mich political correctness interessieren, würde ich längst in einer eingetragenen Partnerschaft leben.
Ein paar Meter weiter wird mir plötzlich mein Zynismus gewahr und ich schäme mich ein bisschen meiner selbst. Gebe ich mich doch einerseits weltgewandt und statte der einzigen Demokratie im Nahen Osten einen Besuch ab, in der Hoffnung nette Bekanntschaften zu machen, die mich so akzeptieren, wie ich bin und verfalle andererseits schon bei erster Gelegenheit in Unmanierlichkeiten, die mir leider gelegentlich zu eigen sind.
Hätte Herrmann Maas mich damals im Gefolge gehabt…?! Kaum auszudenken… 
Gedankenschwer streife ich meine Flip Flops ab, wandle in die Gestade, wasche meine Füße, gar einen Teil meiner Seele rein und wende ich mich schlußendlich von der (eigenen) Sünde ab und dem Abschnitt der Orthodoxen zu. 
Hier herrscht gänzlich tote Hose, soweit ich das durch den Hohen Bretterzaun zu erkennen vermag. Eventuell liegt es daran, dass es bereits dämmert und die Menschen sich langsam anderen Beschäftigungen zuwenden. 
Ich spaziere weiter. Kurze Zeit später ändert sich der Küstenabschnitt. Von Stand keine Spur mehr, dafür eine Mole, ein Yachthafen und schließlich Lagerhäuser, die jedoch nicht (mehr) dem Fisch- oder Warenumschlag dienen, sondern für den Konsum zweckentfremdet wurden. Erst jede Menge Restaurants, an denen sich gut gewandete Menschen, den schönen Genüssen goutierend, lachend gegenübersitzen und von behemdeten Kellnern hofiert werden. 
Edler Fisch und edler Wein. Meeresfrüchte? Sind die koscher? In Tel Aviv bestimmt!
Weiter geht es auf Holzbohlen. Auf dem Stadtplan meines Reiseführers habe ich gesehen, dass nicht weit von der äußersten Spitze des Hafens, die Dizengoff-Street beginnt. Ich will folglich noch diesen Teil der Stadt begehen, bevor ich mir die Haupteinkaufsstraße der Stadt widme. 
Die Restaurants bestimmen weitere hundert Meter die Szenerie, werden dann aber von einer Vielzahl an Boutiquen und Dependenzen diverser Mode- Sport- und Lifestylelabels abgelöst. 
Gerade noch gediegene Mittelmeeratmosphäre , jetzt jäher Wechsel zu Plastikschrott. Zudem scheinen hier ein paar „angesagte“ Clubs und Veranstaltungslocations zu sein. Einzig interessant an dieser Ecke ist, dass immer mehr Eisdielen, Kinderspielautomaten, Süßigkeiten- und Vergnügungsläden auftauchen und haufenweise Familien aus und in die diversen Spielhallen (anders kann man die Etablissements nicht benennen) strömen. Mich erinnert dieses Coney Island in klein ein wenig an List auf Sylt. Irgendwie dann doch wieder sympathisch. 
Ich schaffe es raus aus der Amüsiermeile und erreiche die Ursprungskreuzung der legendären Dizengoff Street, oder korrekter und vor Allem melodiöser „Rehov Dizengoff“. 
Sowohl Wikipedia, als auch mein Reiseführer wissen, dass diese Straße nach dem ersten Bürgermeister der Stadt „Meir Dizengoff“ benannt wurde, welcher sich noch zu Zeiten der britischen Besatzung um die Geschicke der Stadt gekümmert hat. Wer da wohl von wem abgeschrieben hat?! Im Falle dieses Textes behalte ich mir meinerseits eine Antwort vor und fahre mit der quellensicheren Beschreibung meiner Eindrücke im Teil 5 fort.

Donnerstag, 1. November 2018

ISRAEL 2018 - Tag 1, Teil III



Tag 1 – Montag, Teil III


Vor mir liegen 96 Treppenstufen. Zwar gibt es einen Fahrstuhl, aber dem traue ich nicht und möchte ebenfalls meinem Spaziergelübde treu bleiben und Tel Aviv zu Fuß beschreiten. Jesus hat in Jerusalem gelitten, ich werde es ihm im weltlichen Pendant gleich tun. 
Im Treppenhaus verblasst der Glanz des Foyers zusehends. Wasserflecken und Risse zeichnen sich an den Wänden ab, Gerümpel steht vor den Türen. Alles sieht abgerockt aus und die Apartementnummern sind notdürftig mit groben Strichen auf den dürftig verputzten Beton gepinselt. Eine Wohnung im dritten Stock wird gerade saniert. Die grauen Flächen, die hinter der stellenweise abgerissen Tapete sichtbar und auf sublime Art schon längst des Raumklimas Herr geworden sind, lassen auf nichts Gutes schließen. Ganz oben angelangt orientiere ich mich mit meiner Handytaschenlampe in der zunehmenden Dunkelheit und finde einen Lichtschalter. 
Fiat Lux! 
Das kalte Neonlicht beleuchtet einen kargen Gang. Ein Klappfahrrad, natürlich mit Elektroantrieb, reduziert den Durchgang kurzzeitig auf ca. 60cm. Dahinter stehen drei große, on top staubbedeckte, auf Wadenhöhe gänzlich blankgescheuerte Plastikreisekoffer und verengen die Passage um weitere zehn Zentimeter. Brandschutz scheint hier keinen zu interessieren und offensichtlich rückt man gerne zusammen. Eigentlich nicht das Schlechteste, wenn man alleine unterwegs ist, denke ich kurz und versuche die Gedanken an etwaige Feuerszenarien aus meinem Hirn zu streichen.
Am Ende des Ganges biege ich links ab und pralle beinahe mit meiner Nase gegen eine massive Holztür mit zahlenkodiertem Türschloss. Ich öffne meine Emails und überfliege die Nachricht meines Gastgebers nach der Kombination. 
Nach erfolgreicher Eingabe bin ich drin. Im Gehäuse herrscht reger Betrieb. Ein kleiner, untersetzter und ziemlich deftiger Typ mit massiven Armen, stolzem Feinkostgewölbe, etwas zu ausdefiniertem Brustkorb und den mächtigen Pranken eines stillen Killers grinst mich mit einer Bohrmaschine in der einen und seinem Handy in der anderen Hand breit an. 
Die sephardische Anthropogenese eines Serdar Somuncus. Ludaeum oeconomicus im Handwerkspelz.
Dahinter sehe ich eine Küchenzeile, die ihrer kompletten Verkleidung beraubt wurde und den Blick auf Wasserstränge und Abwasserrohre freigibt. Neben einer riesigen silbernen Gefrier-, Kühl-, Eiswürfel- und Kaltwasserkombination, auf einer ausladenden Couchgarnitur, kommt ein Gespräch zwischen einer eigentümlich aussehenden alten Frau, einem sympatischen Strahlemann und einem drahtigen Gaucho zum erliegen. 
Acht Augen starren mich an. Willkommen in „Ofirs little Hostel in the Center of Tel Aviv“!
In einer ureigenen Mischung aus peinlicher Betretung und Inanspruchnahme des durch Kreditkartenbanking generierten Rechts hier anwesend sein zu dürfen, durchschneide ich mit einem mechanisch gelassenen und künstlich gut gelaunt klingenden „Hey! I am Philipp from Berlin!“ die Stille. Die Antwort entfährt so geschäftsmäßig, wie prompt den sinnlichen Lippen des offensichtlichen Wohnungseigners: 
„AirBnB or Booking.com?"
Aha, da sind sie wieder, die Chiffren der Generation "Handgepäck“ und „Ich kenne meine Rechte!“ „I booked via AirBnB! Philipp Hambach is my name! From Berlin! Germany...“ 
Langsam aber bestimmt weicht die Bohrmaschine dem Display. Tippen, wischen, tippen, innehalten, dann eine erhellende Miene. „Ah, here we got you. One night, right?!“
Das Eis scheint gebrochen und ich versuche mich als Komiker: „Yes! A one night stand, hehehe...“ und schiebe noch ein Augenzwinkern hinterher. 
Der Joke verpufft im Nichts. Dafür heißt mich Ofir mit einem zünftigen Händedruck willkommen, legt mir mit Nachdruck die linke Hand auf die Schulter und führt mich bestimmt zum Herzstück des Zimmers, um mir Jorge aus Uruguay, Till „from Germany as well“ und Reha aus den USA vorzustellen.
„Hey, nice to meet you...“ Hey, nice to meet you too...“ 
Als das erledigt ist, zeigt der Hausherr entschuldigend auf das Küchenchaos und erklärt, dass das Waschbecken geleckt habe und er es reparieren müsse. Vorher wolle er mir aber mein Bett zeigen und wo ich meine Sachen ablegen könne.
Sein Angebot einen Tee für mich zu machen schlage ich aus, stelle aber fest, dass der Typ mir auf Anhieb sympathisch ist und ich mich sicher aufgehoben fühle.
Das Apartement besteht zwei übereinanderliegenden Wohnungen, welche durch eine Treppe miteinander verbunden sind. Oben bewohnt Ofir eine kleine Einzimmerwohnung mit Terrasse, unten gibt es die reparaturbedüftige Wohnküche, ein Badezimmer und zwei etwa zehn Quadratmeter große Räume, die jeweils mit zwei Doppelstockbetten aus schwerem Gusseisen im Stile „Armeekaserne - kalter Krieg“ bestückt sind. Ein Zimmer geht nach hinten, zum Hof hinaus und ist bereits voll ausgebucht, das andere nach vorne zur Ben Yehuda Straße. Dort sind erst die beiden unteren Etagen besetzt, so dass ich mich für das obere Bett entscheide, dass ca. 50cm weiter von der Zimmertür entfernt ist. 
Ofir reicht mir Bettwäsche und bedeutet, meine Sachen in einem Schrankfach ablegen zu können. Ich erleichtere meine Schultern und lasse mir von meinem Gastgeber die wichtigsten Infos zur Wohnung und der Hausordnung geben, Diese sind universell und schnell erklärt. Der WLAN-Code hängt gut lesbar an der Wand.
Ich beziehe zuerst das Bett, was gar nicht so einfach ist, da ich dabei auf der Leiter stehen und mich ordentlich recken muss, um das Laken unter die Matratze zu bekommen. Dieses ist weniger meiner leicht unterdurchschnittlichen Körpergröße geschuldet, denn der Tatsache, dass es bis zur Decke lediglich ca. 80cm sind und ein operieren im Sitzen auf dem Bett so nicht in Frage kommt. 
Nach diversen Verrenkungen habe ich die Matratze und das Kopfkissen bezogen, den Bezug für die Decke ohne Decke als Decke zurecht gelegt, kurz Zeit gefunden den Zustand des Raumes eingehender zu checken und für die verlangten 15Euro als value for money zu empfinden.
Als ich meine Sachen in dem zugewiesenen Schrankabteil verstaut habe kommt mein Landsmann in das Zimmer und wir halten einen kurzen Plausch. Till ist seit drei Tagen in Tel Aviv und will noch zwei weitere Tage zu bleiben. Er sei bereits mehrere Male in Israel gewesen und habe sich einfach in Tel Aviv verliebt.
Na dann viel Spaß beim Liebe machen.
Wir verabreden uns lose für ein abendliches Bier, aber nur, wenn wir uns zufällig abends in der Wohnung über den Weg laufen; schließlich habe ein jeder ja eigene Pläne und überhaupt empfindet man sich immer so angreifbar und verletzlich, wenn man mal den Wunsch nach Gesellschaft äußert, was aber nicht ausgesprochen, aber zumindest von meiner Seite gedacht wird.
Till zieht es jetzt erst mal zum Einkaufen und ich habe das dringende Bedürfnis den Strand anzugucken, ein wenig durch die Strassen zu ziehen und mir einen groben Überblick über die nähere Umgebung zu verschaffen.
Höflich verabschiede ich mich von Ofir, Reha und Jorge, schnappe mir meine wichtigsten und unentbehrlichsten Sachen, die ich in einem Geschenk meiner Mutter der Sorte „ermöglicht dir immer alles Wichtige dicht am Körper zu tragen“, verstaue. Mit ihren zig Geheimfächern und Reißverschlüssen, sowie der grünlich beigen Optik ist sie die Taxifahrer- und Hobbyfunker-Variante unter den Umhängetaschen. Kurz überlege ich,ob ich mich joggingtechnisch in Schale schmeißen soll, vertage diesen weiteren unnötigen Masochismus vernünftigerweise auf morgen früh und tausche lediglich Boxershort und lange Hose gegen das bereits erwähnte kurzbeinige Modell „Tennis“, erlaube mir einen gewissen Kontrollverlust und schlüpfe in Flip-Flops, um jederzeit ohne Umziehstress in die Fluten stürzen zu können. 
Jetzt endlich kann der Urlaub beginnen!