ANKUNFT
Das
Flugzeug landet pünktlich um 12:55 Ortszeit in Glasgow-Paisley. Die Runway
lediglich grau, wider Erwarten nicht Boteh-gemustert.
Abflug
von Berlin-Schönefeld vor zwei Stunden und zehn Minuten ebenfalls in time.
Rundum zufriedenstellend.
Jetzt
Zack Zack! Flugzeug bitte zügig Einparken. Soeben geschehen. Sehr gut! Das
Personal steht bereits, die Passagiere tun es Ihnen binnen Sekunden gleich.
Alle springen auf, rege Betriebsamkeit, gezielte Griffe, Körperflanken,
Rumpfregionen, jede Menge Handgepäck. Geschiebe, Gedränge, Ellenbögen, böse
Blicke. Sorry hier, Sorry da. Ich atme kurz durch, dann stürze auch ich mich
hinein in die allgemeine Hektik. Schließlich habe ich einen straffen Zeitplan
für die nächsten 12 Tage.
Elegant
plumpst mir mein Rucksack entgegen. Just darauf gehen die Türen auf, das große
Vorwärtsstreben setzt ein.
Mit
viel Glück und ohne Sitzplatzreservierung bin ich auf Platz 2E gelandet. Kenner
wissen: ganz vorne rechts. Leider kein Fensterplatz, aber in Spuckweite zur
Vordertür. Deswegen bin ich nun ganz vorne dabei. Der Steward lächelt herzlich
und wünscht einen schönen Aufenthalt. Dito Toyboy! Die Wärme des Absenders
strahlt hoffentlich auch ein wenig nach draußen ab. Soll in Schottland ja
bekanntlich gut zu gebrauchen sein. Also witterungstechnisch, nicht der
Orientierung wegen.
Apropos;
wie ist denn überhaupt das Wetter? Noch stehen wir im Schatten eines Jumbojets
von Virgin-Atlantic, welche unsere Boeing 737-800 ganz klar ihren Platz wissen
lässt.
Divide
et impera. Kommt in den besten Familien vor.
Die
große Schwester wird sich später auf den Weg nach Miami machen. Am Check-in
drängeln sich bestimmt schon die Oldies. Komisch, dachte die Schotten wären für
solche Trips zu geizig. Wieder was dazu gelernt. Reisen bildet eben.
Mit
Verlassen der Gangway stehe ich plötzlich in der Sonne. Mitte September geht
klar in Schottland. Warum nach Miami fliegen für viel Kohle? Mein Flug hat
keine 15 Euro gekostet. Wenn schon billig, dann auch richtig billig. Und wenn dann
draußen sogar noch die Sonne lacht, lachen Herz und Portmonee gleich mit.
Für
innehalten und Sonnenbad ist aber keine Zeit. 50 Meter im Stechschritt an der Absperrstrippe
lang und rein ins Gehäuse. Kaum in der Arrival-Area angekommen, sehe ich den
Hinweis auf eine Passkontrolle. Wie war das noch mal mit dem Schengenraum und
der EU? Vielen Dank auch Wählerwille. Aber Meinetwegen. Lass ich den Tommies
gönnerhaft ihre Marotten und spiele das Spielchen mit. Vielleicht kommt ja der
Exit vom Brexit als krönendes Bonbon britischer Exzentrik.
Ich
bin in Gedanken eh jenseits von Raum, aber eben nicht Zeit. Schließlich gilt es
dieses kostbare Gut zu optimieren und gemäß dem knappen Zeitplan zu meinen
Gunsten zu brechen. Zuerst Hochmut, um den Fall kümmere ich mich später.
Deswegen:
be prepared und vorausschauend handeln. Ergo: Auf den verbleibenden 70-80
Metern zur Kontrolle in Schlangenlinien zackig die wenigen Passagiere
überholen, die es irgendwie vor mir hierhin geschafft haben.
Vorsprung
kann nie schaden, ein gesunder Abstand ist noch besser. Perlen der Weisheit aus
dem Schwarzbuch der Narzissten.
Uuuund
Yes! Als Erster angekommen und bei der Wahl der Mittel nur ein kleines bisschen
an Würde eingebüßt. Etwas Reflexion muss schon sein.
Dann
rein in diese komische Doppeltürkabine. Pass einlesen lassen, in die Kamera
gucken, nicht lächeln und hinaus in die Freiheit.
Der
formale Teil wäre geschafft. Nicht auszudenken, wenn ich jetzt in der sich
zwangsläufig hinter mir bildenden Menschentraube stehen würde und einen anderen
Glückspilz fröhlich als erstes davon laufen sehen müsste.
Erfolgsmomente
des Gehetzten.
Jetzt
schnell weiter und nicht umdrehen. Oder schon mal von einer Salzsäule gehört,
für die sich Möglichkeiten ergeben? Eben! Na gut, mit Ausnahme vielleicht oralfixierter
Sodomisten.
Im
Gehen das Handy vom Flug- in den Telefonmodus zurückgestellt. Ping! Na sieh mal
einer an, bin wohl doch noch in der EU, zumindest was kostenfreies Roaming
angeht. Dann Nachricht an die Familie, dass ich heil gelandet bin.
Gegenteiliges bitte den aktuellen Pressemitteilungen entnehmen.
Um
es unkompliziert und flott aus Flughäfen heraus zu schaffen verzichte ich stets
auf großes Gepäck. Ein Rucksack als Handgepäck muss reichen. Schließlich will
ich nicht ewig bleiben und gut überlegt ist eben sparsam gepackt. Folglich das
Gepäckband links liegen lassen und schnurstracks geradeaus. Tempo, Tempo,
nochmals Tempo und nur im äußersten Notfall bremsen. Für die entsprechenden Spuren
gibt es ja Rei aus der Tube.
Da!
Der Ausgang und die große Halle mit den üblichen Wegweisern und
Informationsschildern. Wo verdammich noch mal geht es zu den Mietautos? Nicht
lange versuchen zu orientieren, sondern lieber gleich eine kompetent wirkende
Person nach dem Car-Rental fragen.
Der
Polizist da vorne – Bingo! Interessanten Dialekt sprechen die hier. Gerolltes rrrr.
Fast schon stereotyp-teutonisch. Oder ist der Cop ausgewiesener Touristenkenner
und die Aussprache ein erster Eindruck des schwarzen Inselhumors? Seine
Auskunft zumindest ist eindeutig. Da vorne raus und dann am Parkplatz vorbei
Richtung Blechcontainer.
Keine
zwei Minuten und ein Dutzend überholte Passagiere später, erreiche ich
tatsächlich den Counter von Hertz mit dem Wissen, dass ich potentielle
Vormirdrankommer bereits mittels bewährter Überholtaktik auf ihre Plätze
verwiesen habe. Und tatsächlich; niemand vor dem Schalter. Alles frei.
Aber
Verdammt, von rechts, ganz klischeehaft aus dem toten Winkel kommend, tritt
plötzlich jemand die Stufen zum Container empor. Vor mir!
Ein
Stich regt sich in meinem Herzen und leichter Groll breitet sich im Bauch aus.
Die Poleposition ist futsch. Bleibt nur, die kleine Niederlage sportsmanlike zu
schlucken und sich wohl, oder übel als Zweiter einzureihen. Kleiner Trost: Nach
wenigen Sekunden kommt ein vorhin im Gang überholter Passagier in die
Wellblechbude des Autovermieters und muss hinter mir warten. Ein Blick über die
Schulter verrät Augenrollen seinerseits. Ich schmunzle meinerseits. Hat sich
der stramme Schritt zumindest der Schadenfreude wegen gelohnt.
Typisches
Männerverhalten. Oder typisches Philippverhalten? Beim Schreiben komme ich mir
ziemlich unsympathisch vor, aber so what ;)
Trotzdem
blöde, dass der Kerl vor mir ausgerechnet ein Rentner ist. Diskriminierung noch
oben muss eben auch mal sein. Aber gut, wenigstens ein dänischer Rentner, der
an der sommerbesprossten Schweinestuppsnase, dem charmanten Akzent und
letztlich seinem Pass unschwer zu erkennen ist. Hätte also weitaus schlimmer
kommen können.
Denn
der Däne an sich gilt ja als entspannt und liberal und beherrscht wegen
fehlender Fernsehsynchronisation zudem ein halbwegs passables Englisch.
Nun endlich regt sich auch der Dude hinterm Schalter, legt
irgendeine Liste weg und eröffnet mittels professionell einstudierter
Herzlichkeit den folgenden Gesprächsreigen.
Aussprache und Namensschild outen Wojchzek als polnischen
Arbeitsmigranten.
„Hello
Sir, what can i do for you?“
Der
Opa kontert mittels feistem Presston, einer zugehaltenen Nase gleich, mit
exzellentem Schweinefleischdänglisch recht ungeniert dem eigenartig hart
anmutenden und abgehackten Sprech des Angestellten: „You got car for me?“
Glück
gehabt! Die Bilateralen Beziehungen lassen mittels eingeschränkter Wortschätze lediglich
Raum für harte Fakten.
-
Give me Creditcard, Voucher etc.! Sign here!
Where
do i get the car?
Get
Car from woman outside!
Thank
you!
Thank
you!
Diskussionen,
Klärungsbedarf und Nachfragen unnötig. Der Rentner ist ein Profi und auch der Wojchzek
wird in Sachen Dienstleistungen dem guten Ruf seiner sonst beblaumannten Landsmänner,
wie auch der herzhaften Eintöpfe derer Babcie gerecht. Nachdem Opa seinen
Schlüssel bekommen hat, darf ich vortreten. Wow, das hat nun wirklich keine
fünf Minuten gedauert.
Also
Objektiv. Subjektiv natürlich trotzdem viel mehr.
Als
Wiedergutmachung grinst mich ein breites slawisches Amalgamlächeln an und
erbittet die entsprechenden Unterlagen. Kannste haben – und zwar auf einmal und
komplett!
Ich
knalle meinen Voucher, die Kreditkarte, den Reisepass und sogar einen
internationalen Führerschein auf den Tisch, lehne mich ausladend hinterher und
versuche so, mit meiner oberen Körperhälfte, Territorium in seiner
Wirkungsstätte gutzumachen. Mit etwas Glück fühlt er sich ob meines Blitzkrieges
fernab von Charmeoffensive unangenehm berührt und macht extra schnell.
Nix
da, der Mann leistet hartnäckig Widerstand:
„Do
you need insurance?“
„No, thank you!“
Hat
der sich etwa den Voucher nicht genau angeguckt? Die Versicherung ist doch
bereits inklusive und zwar auf Alles und ohne Selbstbeteiligung! Dem ADAC und
seinen Mitgliederdeals sei Dank.
„Do
you need a Navigationsystem for 10 Pound a day?“
Alter,
ist die UK vielleicht noch in der EU? Hab ich Datenroaming aufm Handy for free?
Eben! Also her mit den Schlüsseln und zeig mir wo ich unterschreiben muss.
Nach
gefühlt 18 Tagen endlich finale Unterschrift und Übergabe, dann Umdrehen, ab
durch die Tür gen Carpark 2, Platz 18 und auf do nimmer-widzenia.
Draußen
erwartet mich der nächste glückliche Umstand. Ich hatte einen Kleinwagen
gebucht und bekomme eine rassige Mittelklassenkarre. Irgendein Franzose mit
sechs Gängen, fünf Türen und Digitalradio inklusive Navi. Juhu! Während ich bei
vielen Dingen ein wahrer Pfennigfuchser bin, habe ich gelernt, dass man
Mietwagen definitiv nicht bei Billiganbietern buchen sollte, wenn man eine
stressfreie Zeit haben möchte.
Seit
einem Erlebnis in Marokko mit angeblich zu geringem Kreditvolumen auf meiner
Kreditkarte, flinken Fingern des Vermieters auf dem entsprechenden
Kartenlesegerät, eines darauffolgend penetrant aufblinkenden Error-Zeichens und
der großzügigen Möglichkeit mir gegen Zahlung von 50 Euro in Cash den Wagen
trotzdem auszuhändigen, bin ich der Meinung, dass es nur wenige Dinge gibt, bei
denen Geld urlaubstechnisch besser angelegt ist, als bei seriösen
Autovermieter. Kein Bakschisch, kein Beschiss, keine schäbigen Karren, sondern
manchmal sogar ein Upgrade.
Sollte
ich nun vielleicht nochmals die Möglichkeit im Auto zu schlafen überdenken?
Nein, Spaß bei Seite. Ein ordentliches Airbnb-Zimmer, oder ein Dorm-Bett müssen
schon sein. Mit Übernachten auf Flughäfen, Bahnhöfen, Sparkassenfilialen, Autos
etc. habe ich in der Vergangenheit zwar aushaltbare Erfahrungen gemacht, muss
meinem Alter jedoch mittlerweile Tribut zollen.
Für
den Linksverkehr bin ich aber dann doch noch fit genug. Der Ernst Jünger regt
sich mal wieder in mir. Jaja, ich weiß, heikles Thema… Aber lieber Jünger, als
Zündel… Soweit mein Motto.
Und
da ich mich für keinen müden Joke zu Schade bin, merke ich hier an, dass ich die
Vorstellung lustig finde meinem dänischen Rentner, der akribisch Fotos zur
Dokumentation etwaiger bereits vorhandener Schäden an seinem Mietwagen macht, mittels
Kotflügel einen saloppen Gruß an seinen Extremitäten zukommen zu lassen.
Beschwingt
und voller Tatendrang verlasse ich letztlich doch vernünftig den geschützten
Bereich des Car-Parks 2 und stürze mich ins Vergnügen.
Jetzt
wird es ernst, denn Linksverkehr = Konzentration. Also fokussieren! Drei
Kreisverkehre, etwas Verwirrung und eine große Portion Glück später schaffe ich
es auf die Autobahn, passiere Glasgow-City und halte mich nordöstlich. Google-Maps
berechnet eine Stunde und 39 Minuten Fahrt zu meinem ersten Ziel am heutigen
Tage.
Einfacher
ist jedoch die Nutzung des Navigationsgeräts im Auto. Anhalten lohnt dafür
nicht. Also flinke Handgriffe, zur Mittelkonsole, Lenkrad leicht verreißen, wieder
auf die Fahrbahn gucken, das ganze Spiel ein halbes dutzendmal wiederholen und
schon sitzt die Route. Die Familie im vollbesetzten Van, die sich im
Rückspiegel grad mehrfach auf der angrenzenden Koppel überschlägt, hat da
einfach mal Pech gehabt. Schließlich geht es hier um meinen wohlverdienten
Urlaub.
Ich,
ich, ich! Alle anderen: Nicht!
Das
Gleiche Prozedere beim Radio. Diesmal Ghettofaust eines vollbesetzten Schulbusses
mit einem Betonbrückenpfeiler.
Just
kidding.
Schnell
finde ich BBC 6, drehe auf und gebe mich nun völlig der Straße hin.
Wie
ticken hier die Autofahrer? Gibt es Blitzer, oder Polizeikontrollen? Soll ich
mich genau an die Speedlimits halten, oder gehen auch 10mph mehr, ohne gleich
kontrolliert zu werden und womöglich den Adler an der Wand machen zu müssen,
Wagen, Führerschein und Unsummen an Geld zu verlieren?
Ich
entscheide mich für 5mph über dem Limit.
Wenn
ich mich ran halte, schaffe ich es pünktlich bis um 16:00 nach Pitlochry am
Rande der Highlands. Soweit zumindest der Plan.
Vorher
muss ich irgendwie an britische Pfund kommen. Im Flughafen zu wechseln kam für
mich, der schlechten Wechselkurse wegen, nicht in Frage. Wenn schon AirBnB
statt Karre, dann wenigstens beim Wechselkurs sparen.
Hier
muss doch irgendwo unterwegs an der Autobahn ein Gewerbepark kommen. Wegen
eines ATMs in eine Ortschaft zu fahren lohnt nicht, denn ich habe gelesen, dass
es überall im Lande die Möglichkeit des Cash-Outs in Einkaufsläden gäbe.
Einfach mit der Kreditkarte zur Kasse und sich dort etwas auszahlen lassen.
Da
ich eh Kohldampf habe und es liebe in fremden Ländern das Warenangebot der
Supermärkte zu checken, wäre das genau mein Ding.
Und
siehe da! Bei einer Ausfahrt kurz hinter Perth sehe ich das Logo meines
geliebten ALDIs am Horizont.
Schnell
Blinker setzen, gucken, links runter, einen Kreisverkehr umrunden und ab auf den
Parkplatz. Rein nach ALDI. Ich liebe nicht nur diese urdeutsche Heimstätte qualitäts-
und preisbewusster Spießer, sondern auch die Aufpeppung der Sortimente in fremden
Ländern. Während in deutschen Filialen seit Jahren lediglich das Sushi und der
Salatbecher mit French Dressing für abenteurlichen Flair auf der Plastikgabel
sorgen, orientiert man sich im UK gen Nahen und Mittleren Osten und beyond. Nehme
ich Gemüse-Pakoras, Hähnchenbrust nach indonesischer Art, oder Falafel? Ich
entscheide mich für letztere, denn die sind am schnellsten zu greifen; denn erinnere:
die Zeit rennt und ich habe ein Ziel.
Dummerweise
gilt das Cash-Out nur für einheimische Geld- und Kreditkarten. So muss ich den
Fünf-Pfund-Schein bemühen, den ich in Berlin von einem Bekannten zum
unschlagbaren Kurs von 1:1 gewechselt habe. Dafür nutze ich die Minute
unfreiwilliger Gehzeit zurück zum Auto, um auf meinem Handy Googlemaps zu
befragen, ob in Pitlochry ein ATM steht. Bingo, da steht einer hinter einem
Tesco-Supermarkt.
Wäre
ich doch schon früher darauf gekommen und hätte das von zu Hause aus recherchiert.
Mist!
Retour
ins Auto und weiter auf die Jagd nach Meilen. Insgesamt fünf Minuten Lehrzeit
berappt, dafür aber im Besitz herrlich originalgetreuer Kichererbsen-Buletten
mit Rosinenfüllung an Plastikverpackung. Allahu akbar! Beim nächsten Mal gönne
ich mir Pakoras, soviel steht fest. Retour zur Tour. Noch 25 Meilen.
Mampfmampf, Krümmelkrümmel. Die Landschaft, anfangs noch urbanisiert im Stile
einer modernen Großstadt mit Agglomeration und Infrastruktur, wird karger und
hügeliger. Die Sonne in steter Konkurrenz zu dunklen Wolken. Ab und zu
Regenschauer, dann wieder blauer Himmel und so weiter. Wolkengebilde
unterschiedlichster Grau- und Weißtönung. Aprilwetter im September.
Schottischer Ganzjahresstandart.
Da
hinten, ein Regenbogen. Kurz nach dem Pott mit Gold suchen? Ach nee, das wäre
ja Irland.
Nebel
in den Niederungen, Raben am Himmel, dunkle Berge am Horizont. Range Rover auf der Überholspur. Landlord in feinstem
Tweed. Ich brav mit Funktionsjacke on point bei 72mph links daneben. Für den
Bruchteil einer Sekunde sind wir gleichauf. Blickkontakt, ein schelmisches Zwinkern
meinerseits nach oben, gepaart mit der stillen Hoffnung, dass der Landadel meinen
Blick erwidert und mich kurz von der Illusion der süßen Klassenzugehörigkeit
kosten lässt.
Jedoch
nur: herablassendes Lächeln, ungläubiges Kopfschütteln, Gas, Rücklichter und
Abgehängt-werden als Antwort.
In
kürzester Zeit zum einfachen Schotten degradiert worden. Man kann nicht alles
haben.
Dennoch
weiter, weiter dem ersten unter vielen Zielen entgegen. Dem eigenen Glück immer einen Schritt voraus hetzen.
Blick
auf die Uhr. Easy, 15:30 Ortszeit. Bis zum Ziel noch 10 Minuten Fahrzeit. Inklusive
Parkplatz suchen vielleicht 15 Minuten. Das passt!
Gemächlicher
als die Autobahn schlängelt sich die Landstraße nun die sanften Hügel hoch. Mischwald,
Dickichte, Böschungen und Knicks zwischen den Feldern. Hier mal eine Kuhherde,
da mal schnatternde Gänse vor einem Gehöft.
Sind
das hier eigentlich schon die Highlands? Na sicher doch!
Drei
Meilen auf den engen Straßen. Erstmals in einer der in Reiseführern
beschriebenen und für Schottland typischen kleinen Bucht am Wegesrand warten,
damit der Gegenverkehr an mir vorbei kommt. Freundliches Nicken. Und dann,
hinter einer Kurve, fällt der Blick rechts auf eine Anhöhe. Weiße Zäune, weiße
Häuser, rote Akzente. Ein kultivierter Fluss schlängelt sich dazwischen.
Wie
aus einem kitschigen Urlaubsprospekt. Lagerhäuser, Kieswege , ein Pagodendach.
Links der Parkplatz. Ich bin da! Die Edradour Whisky Distillery.
Denn - kaum zu glauben - dieser Urlaub soll im Zeichen des Genusses stehen.
Und Widersprüche machen das Leben aus...

Immer eine Freude dir auf deinen gehetzt - hambach'schen Abenteuern zu folgen. Brimm, Brimm, Brimm.
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