Freitag, 27. September 2019

SCHOTTLAND TAG 1, Teil I - Von Mietwagen, Aldi-Filialen und Geldautomaten


ANKUNFT
Das Flugzeug landet pünktlich um 12:55 Ortszeit in Glasgow-Paisley. Die Runway lediglich grau, wider Erwarten nicht Boteh-gemustert.
Abflug von Berlin-Schönefeld vor zwei Stunden und zehn Minuten ebenfalls in time. Rundum zufriedenstellend.
Jetzt Zack Zack! Flugzeug bitte zügig Einparken. Soeben geschehen. Sehr gut! Das Personal steht bereits, die Passagiere tun es Ihnen binnen Sekunden gleich. Alle springen auf, rege Betriebsamkeit, gezielte Griffe, Körperflanken, Rumpfregionen, jede Menge Handgepäck. Geschiebe, Gedränge, Ellenbögen, böse Blicke. Sorry hier, Sorry da. Ich atme kurz durch, dann stürze auch ich mich hinein in die allgemeine Hektik. Schließlich habe ich einen straffen Zeitplan für die nächsten 12 Tage.
Elegant plumpst mir mein Rucksack entgegen. Just darauf gehen die Türen auf, das große Vorwärtsstreben setzt ein.
Mit viel Glück und ohne Sitzplatzreservierung bin ich auf Platz 2E gelandet. Kenner wissen: ganz vorne rechts. Leider kein Fensterplatz, aber in Spuckweite zur Vordertür. Deswegen bin ich nun ganz vorne dabei. Der Steward lächelt herzlich und wünscht einen schönen Aufenthalt. Dito Toyboy! Die Wärme des Absenders strahlt hoffentlich auch ein wenig nach draußen ab. Soll in Schottland ja bekanntlich gut zu gebrauchen sein. Also witterungstechnisch, nicht der Orientierung wegen.
Apropos; wie ist denn überhaupt das Wetter? Noch stehen wir im Schatten eines Jumbojets von Virgin-Atlantic, welche unsere Boeing 737-800 ganz klar ihren Platz wissen lässt.
Divide et impera. Kommt in den besten Familien vor.
Die große Schwester wird sich später auf den Weg nach Miami machen. Am Check-in drängeln sich bestimmt schon die Oldies. Komisch, dachte die Schotten wären für solche Trips zu geizig. Wieder was dazu gelernt. Reisen bildet eben.
Mit Verlassen der Gangway stehe ich plötzlich in der Sonne. Mitte September geht klar in Schottland. Warum nach Miami fliegen für viel Kohle? Mein Flug hat keine 15 Euro gekostet. Wenn schon billig, dann auch richtig billig. Und wenn dann draußen sogar noch die Sonne lacht, lachen Herz und Portmonee gleich mit.
Für innehalten und Sonnenbad ist aber keine Zeit. 50 Meter im Stechschritt an der Absperrstrippe lang und rein ins Gehäuse. Kaum in der Arrival-Area angekommen, sehe ich den Hinweis auf eine Passkontrolle. Wie war das noch mal mit dem Schengenraum und der EU? Vielen Dank auch Wählerwille. Aber Meinetwegen. Lass ich den Tommies gönnerhaft ihre Marotten und spiele das Spielchen mit. Vielleicht kommt ja der Exit vom Brexit als krönendes Bonbon britischer Exzentrik.
Ich bin in Gedanken eh jenseits von Raum, aber eben nicht Zeit. Schließlich gilt es dieses kostbare Gut zu optimieren und gemäß dem knappen Zeitplan zu meinen Gunsten zu brechen. Zuerst Hochmut, um den Fall kümmere ich mich später.
Deswegen: be prepared und vorausschauend handeln. Ergo: Auf den verbleibenden 70-80 Metern zur Kontrolle in Schlangenlinien zackig die wenigen Passagiere überholen, die es irgendwie vor mir hierhin geschafft haben.
Vorsprung kann nie schaden, ein gesunder Abstand ist noch besser. Perlen der Weisheit aus dem Schwarzbuch der Narzissten.
Uuuund Yes! Als Erster angekommen und bei der Wahl der Mittel nur ein kleines bisschen an Würde eingebüßt. Etwas Reflexion muss schon sein.
Dann rein in diese komische Doppeltürkabine. Pass einlesen lassen, in die Kamera gucken, nicht lächeln und hinaus in die Freiheit.
Der formale Teil wäre geschafft. Nicht auszudenken, wenn ich jetzt in der sich zwangsläufig hinter mir bildenden Menschentraube stehen würde und einen anderen Glückspilz fröhlich als erstes davon laufen sehen müsste.
Erfolgsmomente des Gehetzten.
Jetzt schnell weiter und nicht umdrehen. Oder schon mal von einer Salzsäule gehört, für die sich Möglichkeiten ergeben? Eben! Na gut, mit Ausnahme vielleicht oralfixierter Sodomisten.
Im Gehen das Handy vom Flug- in den Telefonmodus zurückgestellt. Ping! Na sieh mal einer an, bin wohl doch noch in der EU, zumindest was kostenfreies Roaming angeht. Dann Nachricht an die Familie, dass ich heil gelandet bin. Gegenteiliges bitte den aktuellen Pressemitteilungen entnehmen.
Um es unkompliziert und flott aus Flughäfen heraus zu schaffen verzichte ich stets auf großes Gepäck. Ein Rucksack als Handgepäck muss reichen. Schließlich will ich nicht ewig bleiben und gut überlegt ist eben sparsam gepackt. Folglich das Gepäckband links liegen lassen und schnurstracks geradeaus. Tempo, Tempo, nochmals Tempo und nur im äußersten Notfall bremsen. Für die entsprechenden Spuren gibt es ja Rei aus der Tube.
Da! Der Ausgang und die große Halle mit den üblichen Wegweisern und Informationsschildern. Wo verdammich noch mal geht es zu den Mietautos? Nicht lange versuchen zu orientieren, sondern lieber gleich eine kompetent wirkende Person nach dem Car-Rental fragen.
Der Polizist da vorne – Bingo! Interessanten Dialekt sprechen die hier. Gerolltes rrrr. Fast schon stereotyp-teutonisch. Oder ist der Cop ausgewiesener Touristenkenner und die Aussprache ein erster Eindruck des schwarzen Inselhumors? Seine Auskunft zumindest ist eindeutig. Da vorne raus und dann am Parkplatz vorbei Richtung Blechcontainer.
Keine zwei Minuten und ein Dutzend überholte Passagiere später, erreiche ich tatsächlich den Counter von Hertz mit dem Wissen, dass ich potentielle Vormirdrankommer bereits mittels bewährter Überholtaktik auf ihre Plätze verwiesen habe. Und tatsächlich; niemand vor dem Schalter. Alles frei.
Aber Verdammt, von rechts, ganz klischeehaft aus dem toten Winkel kommend, tritt plötzlich jemand die Stufen zum Container empor. Vor mir!
Ein Stich regt sich in meinem Herzen und leichter Groll breitet sich im Bauch aus. Die Poleposition ist futsch. Bleibt nur, die kleine Niederlage sportsmanlike zu schlucken und sich wohl, oder übel als Zweiter einzureihen. Kleiner Trost: Nach wenigen Sekunden kommt ein vorhin im Gang überholter Passagier in die Wellblechbude des Autovermieters und muss hinter mir warten. Ein Blick über die Schulter verrät Augenrollen seinerseits. Ich schmunzle meinerseits. Hat sich der stramme Schritt zumindest der Schadenfreude wegen gelohnt.
Typisches Männerverhalten. Oder typisches Philippverhalten? Beim Schreiben komme ich mir ziemlich unsympathisch vor, aber so what ;)
Trotzdem blöde, dass der Kerl vor mir ausgerechnet ein Rentner ist. Diskriminierung noch oben muss eben auch mal sein. Aber gut, wenigstens ein dänischer Rentner, der an der sommerbesprossten Schweinestuppsnase, dem charmanten Akzent und letztlich seinem Pass unschwer zu erkennen ist. Hätte also weitaus schlimmer kommen können.   
Denn der Däne an sich gilt ja als entspannt und liberal und beherrscht wegen fehlender Fernsehsynchronisation zudem ein halbwegs passables Englisch.
Nun endlich regt sich auch der Dude hinterm Schalter, legt irgendeine Liste weg und eröffnet mittels professionell einstudierter Herzlichkeit den folgenden Gesprächsreigen.
Aussprache und Namensschild outen Wojchzek als polnischen Arbeitsmigranten.
Hello Sir, what can i do for you?“
Der Opa kontert mittels feistem Presston, einer zugehaltenen Nase gleich, mit exzellentem Schweinefleischdänglisch recht ungeniert dem eigenartig hart anmutenden und abgehackten Sprech des Angestellten: „You got car for me?“
Glück gehabt! Die Bilateralen Beziehungen lassen mittels eingeschränkter Wortschätze lediglich Raum für harte Fakten.
- Give me Creditcard, Voucher etc.! Sign here!
Where do i get the car?
Get Car from woman outside!
Thank you!
Thank you!
Diskussionen, Klärungsbedarf und Nachfragen unnötig. Der Rentner ist ein Profi und auch der Wojchzek wird in Sachen Dienstleistungen dem guten Ruf seiner sonst beblaumannten Landsmänner, wie auch der herzhaften Eintöpfe derer Babcie gerecht. Nachdem Opa seinen Schlüssel bekommen hat, darf ich vortreten. Wow, das hat nun wirklich keine fünf Minuten gedauert.
Also Objektiv. Subjektiv natürlich trotzdem viel mehr.
Als Wiedergutmachung grinst mich ein breites slawisches Amalgamlächeln an und erbittet die entsprechenden Unterlagen. Kannste haben – und zwar auf einmal und komplett!
Ich knalle meinen Voucher, die Kreditkarte, den Reisepass und sogar einen internationalen Führerschein auf den Tisch, lehne mich ausladend hinterher und versuche so, mit meiner oberen Körperhälfte, Territorium in seiner Wirkungsstätte gutzumachen. Mit etwas Glück fühlt er sich ob meines Blitzkrieges fernab von Charmeoffensive unangenehm berührt und macht extra schnell.
Nix da, der Mann leistet hartnäckig Widerstand:
„Do you need insurance?“
 „No, thank you!“
Hat der sich etwa den Voucher nicht genau angeguckt? Die Versicherung ist doch bereits inklusive und zwar auf Alles und ohne Selbstbeteiligung! Dem ADAC und seinen Mitgliederdeals sei Dank.
„Do you need a Navigationsystem for 10 Pound a day?“
Alter, ist die UK vielleicht noch in der EU? Hab ich Datenroaming aufm Handy for free? Eben! Also her mit den Schlüsseln und zeig mir wo ich unterschreiben muss.
Nach gefühlt 18 Tagen endlich finale Unterschrift und Übergabe, dann Umdrehen, ab durch die Tür gen Carpark 2, Platz 18 und auf do nimmer-widzenia.
Draußen erwartet mich der nächste glückliche Umstand. Ich hatte einen Kleinwagen gebucht und bekomme eine rassige Mittelklassenkarre. Irgendein Franzose mit sechs Gängen, fünf Türen und Digitalradio inklusive Navi. Juhu! Während ich bei vielen Dingen ein wahrer Pfennigfuchser bin, habe ich gelernt, dass man Mietwagen definitiv nicht bei Billiganbietern buchen sollte, wenn man eine stressfreie Zeit haben möchte.
Seit einem Erlebnis in Marokko mit angeblich zu geringem Kreditvolumen auf meiner Kreditkarte, flinken Fingern des Vermieters auf dem entsprechenden Kartenlesegerät, eines darauffolgend penetrant aufblinkenden Error-Zeichens und der großzügigen Möglichkeit mir gegen Zahlung von 50 Euro in Cash den Wagen trotzdem auszuhändigen, bin ich der Meinung, dass es nur wenige Dinge gibt, bei denen Geld urlaubstechnisch besser angelegt ist, als bei seriösen Autovermieter. Kein Bakschisch, kein Beschiss, keine schäbigen Karren, sondern manchmal sogar ein Upgrade.
Sollte ich nun vielleicht nochmals die Möglichkeit im Auto zu schlafen überdenken? Nein, Spaß bei Seite. Ein ordentliches Airbnb-Zimmer, oder ein Dorm-Bett müssen schon sein. Mit Übernachten auf Flughäfen, Bahnhöfen, Sparkassenfilialen, Autos etc. habe ich in der Vergangenheit zwar aushaltbare Erfahrungen gemacht, muss meinem Alter jedoch mittlerweile Tribut zollen.
Für den Linksverkehr bin ich aber dann doch noch fit genug. Der Ernst Jünger regt sich mal wieder in mir. Jaja, ich weiß, heikles Thema… Aber lieber Jünger, als Zündel… Soweit mein Motto.
Und da ich mich für keinen müden Joke zu Schade bin, merke ich hier an, dass ich die Vorstellung lustig finde meinem dänischen Rentner, der akribisch Fotos zur Dokumentation etwaiger bereits vorhandener Schäden an seinem Mietwagen macht, mittels Kotflügel einen saloppen Gruß an seinen Extremitäten zukommen zu lassen.
Beschwingt und voller Tatendrang verlasse ich letztlich doch vernünftig den geschützten Bereich des Car-Parks 2 und stürze mich ins Vergnügen.
Jetzt wird es ernst, denn Linksverkehr = Konzentration. Also fokussieren! Drei Kreisverkehre, etwas Verwirrung und eine große Portion Glück später schaffe ich es auf die Autobahn, passiere Glasgow-City und halte mich nordöstlich. Google-Maps berechnet eine Stunde und 39 Minuten Fahrt zu meinem ersten Ziel am heutigen Tage.
Einfacher ist jedoch die Nutzung des Navigationsgeräts im Auto. Anhalten lohnt dafür nicht. Also flinke Handgriffe, zur Mittelkonsole, Lenkrad leicht verreißen, wieder auf die Fahrbahn gucken, das ganze Spiel ein halbes dutzendmal wiederholen und schon sitzt die Route. Die Familie im vollbesetzten Van, die sich im Rückspiegel grad mehrfach auf der angrenzenden Koppel überschlägt, hat da einfach mal Pech gehabt. Schließlich geht es hier um meinen wohlverdienten Urlaub.
Ich, ich, ich! Alle anderen: Nicht!
Das Gleiche Prozedere beim Radio. Diesmal Ghettofaust eines vollbesetzten Schulbusses mit einem Betonbrückenpfeiler.
Just kidding.
Schnell finde ich BBC 6, drehe auf und gebe mich nun völlig der Straße hin.
Wie ticken hier die Autofahrer? Gibt es Blitzer, oder Polizeikontrollen? Soll ich mich genau an die Speedlimits halten, oder gehen auch 10mph mehr, ohne gleich kontrolliert zu werden und womöglich den Adler an der Wand machen zu müssen, Wagen, Führerschein und Unsummen an Geld zu verlieren?
Ich entscheide mich für 5mph über dem Limit.
Wenn ich mich ran halte, schaffe ich es pünktlich bis um 16:00 nach Pitlochry am Rande der Highlands. Soweit zumindest der Plan.
Vorher muss ich irgendwie an britische Pfund kommen. Im Flughafen zu wechseln kam für mich, der schlechten Wechselkurse wegen, nicht in Frage. Wenn schon AirBnB statt Karre, dann wenigstens beim Wechselkurs sparen.
Hier muss doch irgendwo unterwegs an der Autobahn ein Gewerbepark kommen. Wegen eines ATMs in eine Ortschaft zu fahren lohnt nicht, denn ich habe gelesen, dass es überall im Lande die Möglichkeit des Cash-Outs in Einkaufsläden gäbe. Einfach mit der Kreditkarte zur Kasse und sich dort etwas auszahlen lassen.
Da ich eh Kohldampf habe und es liebe in fremden Ländern das Warenangebot der Supermärkte zu checken, wäre das genau mein Ding.
Und siehe da! Bei einer Ausfahrt kurz hinter Perth sehe ich das Logo meines geliebten ALDIs am Horizont.
Schnell Blinker setzen, gucken, links runter, einen Kreisverkehr umrunden und ab auf den Parkplatz. Rein nach ALDI. Ich liebe nicht nur diese urdeutsche Heimstätte qualitäts- und preisbewusster Spießer, sondern auch die Aufpeppung der Sortimente in fremden Ländern. Während in deutschen Filialen seit Jahren lediglich das Sushi und der Salatbecher mit French Dressing für abenteurlichen Flair auf der Plastikgabel sorgen, orientiert man sich im UK gen Nahen und Mittleren Osten und beyond. Nehme ich Gemüse-Pakoras, Hähnchenbrust nach indonesischer Art, oder Falafel? Ich entscheide mich für letztere, denn die sind am schnellsten zu greifen; denn erinnere: die Zeit rennt und ich habe ein Ziel.
Dummerweise gilt das Cash-Out nur für einheimische Geld- und Kreditkarten. So muss ich den Fünf-Pfund-Schein bemühen, den ich in Berlin von einem Bekannten zum unschlagbaren Kurs von 1:1 gewechselt habe. Dafür nutze ich die Minute unfreiwilliger Gehzeit zurück zum Auto, um auf meinem Handy Googlemaps zu befragen, ob in Pitlochry ein ATM steht. Bingo, da steht einer hinter einem Tesco-Supermarkt.
Wäre ich doch schon früher darauf gekommen und hätte das von zu Hause aus recherchiert. Mist!
Retour ins Auto und weiter auf die Jagd nach Meilen. Insgesamt fünf Minuten Lehrzeit berappt, dafür aber im Besitz herrlich originalgetreuer Kichererbsen-Buletten mit Rosinenfüllung an Plastikverpackung. Allahu akbar! Beim nächsten Mal gönne ich mir Pakoras, soviel steht fest. Retour zur Tour. Noch 25 Meilen. Mampfmampf, Krümmelkrümmel. Die Landschaft, anfangs noch urbanisiert im Stile einer modernen Großstadt mit Agglomeration und Infrastruktur, wird karger und hügeliger. Die Sonne in steter Konkurrenz zu dunklen Wolken. Ab und zu Regenschauer, dann wieder blauer Himmel und so weiter. Wolkengebilde unterschiedlichster Grau- und Weißtönung. Aprilwetter im September. Schottischer Ganzjahresstandart.
Da hinten, ein Regenbogen. Kurz nach dem Pott mit Gold suchen? Ach nee, das wäre ja Irland.
Nebel in den Niederungen, Raben am Himmel, dunkle Berge am Horizont. Range Rover auf der Überholspur. Landlord in feinstem Tweed. Ich brav mit Funktionsjacke on point bei 72mph links daneben. Für den Bruchteil einer Sekunde sind wir gleichauf. Blickkontakt, ein schelmisches Zwinkern meinerseits nach oben, gepaart mit der stillen Hoffnung, dass der Landadel meinen Blick erwidert und mich kurz von der Illusion der süßen Klassenzugehörigkeit kosten lässt.
Jedoch nur: herablassendes Lächeln, ungläubiges Kopfschütteln, Gas, Rücklichter und Abgehängt-werden als Antwort.
In kürzester Zeit zum einfachen Schotten degradiert worden. Man kann nicht alles haben.
Dennoch weiter, weiter dem ersten unter vielen Zielen entgegen. Dem eigenen Glück immer einen Schritt voraus hetzen. 
In Pitlochry angekommen endlich die Bank of Scotland und 200 Pounds auf Tasche.
Blick auf die Uhr. Easy, 15:30 Ortszeit. Bis zum Ziel noch 10 Minuten Fahrzeit. Inklusive Parkplatz suchen vielleicht 15 Minuten. Das passt!
Gemächlicher als die Autobahn schlängelt sich die Landstraße nun die sanften Hügel hoch. Mischwald, Dickichte, Böschungen und Knicks zwischen den Feldern. Hier mal eine Kuhherde, da mal schnatternde Gänse vor einem Gehöft.
Sind das hier eigentlich schon die Highlands? Na sicher doch!
Drei Meilen auf den engen Straßen. Erstmals in einer der in Reiseführern beschriebenen und für Schottland typischen kleinen Bucht am Wegesrand warten, damit der Gegenverkehr an mir vorbei kommt. Freundliches Nicken. Und dann, hinter einer Kurve, fällt der Blick rechts auf eine Anhöhe. Weiße Zäune, weiße Häuser, rote Akzente. Ein kultivierter Fluss schlängelt sich dazwischen.
Wie aus einem kitschigen Urlaubsprospekt. Lagerhäuser, Kieswege , ein Pagodendach. Links der Parkplatz. Ich bin da! Die Edradour Whisky Distillery. 
Denn - kaum zu glauben - dieser Urlaub soll im Zeichen des Genusses stehen.
Und Widersprüche machen das Leben aus...



1 Kommentar:

  1. Immer eine Freude dir auf deinen gehetzt - hambach'schen Abenteuern zu folgen. Brimm, Brimm, Brimm.

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