Einleitung
– Teil II
Ich
liebe Low-Cost-Carrier. Vor allem, wenn sie vom Flughafen Tegel
fliegen. Dieser liegt nur 14 Minuten Fahrt mit dem Bus von mir
entfernt und von Haustür zum Terminal sind es keine Zwanzig Minuten - sofern der Bus pünktlich ist, was man bei der BVG natürlich nie so genau weiß.
Seitdem die Fluggesellschaft, die sich nie entscheiden konnte, ob sie billig, oder Premium sein will, nicht mehr existiert und somit Platz für die beiden großen Billig-Flieger gemacht hat, ist das Leben hinsichtlich Verreisen für mich um einiges entspannter geworden, da ich nicht unbedingt mehr nach Schönefeld fahren muss, was ungleich mehr Fahrtzeit bedeutet.
Seitdem die Fluggesellschaft, die sich nie entscheiden konnte, ob sie billig, oder Premium sein will, nicht mehr existiert und somit Platz für die beiden großen Billig-Flieger gemacht hat, ist das Leben hinsichtlich Verreisen für mich um einiges entspannter geworden, da ich nicht unbedingt mehr nach Schönefeld fahren muss, was ungleich mehr Fahrtzeit bedeutet.
Bei
der vergangenen Volksabstimmung habe ich für den Weiterbetrieb von
Tegel gestimmt, auch wenn ich in der direkten Einflugschneise wohne.
Aber was soll ich machen? Die Illusion den Zugang zur weiten Welt um
die Ecke zu haben ist für mich wichtiger als CO2-Ausstoß und
Zimmerlautstärke. Ich finde es geil für super wenig Geld durch die
Gegend zu fliegen und verschwende kaum Gedanken an das Personal, welches
unter widrigen Bedingungen ihre Arbeit verrichten muss.
Was
sagt das über mich aus? Ich hoffe zunächst einmal gar nichts.
Dennoch bin ich mir bewusst, dass ich und bestimmt auch viele Andere,
sich eine vorschnelle Meinung über Menschen, Dinge und Sachverhalte
auf Grund spärlicher, oder mangelnder Informationen, Vorurteile und
Phantasien machen. Ich finde so ein Verhalten im Übrigen gar nicht
schlimm und bedenklich, sondern viel mehr menschlich und normal. Wir
denken stets in Kategorien, sind die Summe unser Erfahrungen,
Annahmen und nicht zuletzt Neurosen. Manche Lesenden entdecken sich
womöglich in dem hier Geschriebenen wieder, andere denken sich
eventuell: „Was ist denn das für ein blasierter Dödel?!“
Ähnlich
geht es sicherlich vielen Leuten, wenn sie an eine Reise nach
Israel, oder gar dessen bloße Existenz denken.
Entstammt
man einer gewissen Peer-Group, dann scheiden sich die Geister an
diesem Staat. Ich spreche von den moderaten Linken, Alternativen,
Liberalen dieser Gesellschaft. Die, die Grün, wählen, maximal mit
der Zweitstimme einen Vorstoß Richtung blau wagen, vielleicht die
Hoffnung auf eine Renaissance der SPD noch nicht begraben haben und
die Linke nur deswegen toll finden, weil ein Gysi doch so ein
raffinierter Redner sei; Vergangenheit unwichtig.
Und
wie in der derzeitigen Parteienlandschaft auch, zerfleischt man sich
zuweilen innerhalb der eigenen Gruppierung hinsichtlich wichtiger und
weniger wichtiger Dinge.
Vortrefflich
dafür eignen tut sich das Thema Israel. Schnell kommt es in der
Diskussion zu hitzigen Brandreden der Beteiligten. Die einen Pro, die
anderen Contra. Die einen sachlich, zuweilen bis zur Überheblichkeit, gestützt durch
harte Fakten, die anderen leidenschaftlich bis wirr, sich auf die Werte eines
allumfassenden Humanismus berufend.
Zu
Henryk M. Broder kann man stehen wie man will, aber mit einer Aussage
hat er Recht: die Deutschen sind besessen von Auschwitz und obsessiv
in ihrer Verteidigung für, bzw. der Verdammung gegen den Staat Israel
und die Juden.
Spricht
man mit Menschen des gleichen Schlags aus z.B. Spanien, Amerika,
Schweden oder gar dem arabischen Raum, ist die Meinung wenigstens
einhellig: Man ist in der Regel geschlossen gegen Israel.
Allerdings
wird (meiner Erfahrung nach) weniger mit dem Lieblingsvorwurf vieler
Deutschen argumentiert a la „Wie können die Juden nur so etwas
mit den Palästinensern tun, wo sie doch selber den Holocaust erlebt
haben“, als dem altbackenen Verständnis des Antiimperialismus
gefröhnt, welches primär der Empörung über die fremde Aneignung
von Land und Ressourcen Raum lässt und sekundär den Hinweis auf
die noch böseren USA einstreut.
Macht
das die Sache besser? Sicherlich nicht.
Beiden,
von manchen Menschen gerne als moderne Antisemiten betitelte, Gruppen
gleich ist jedoch, dass sie bezüglich Israel immer zweierlei Maß
anwenden. Den sogenannten doppelten Standard. Ganz egal ob in
Brasilien die Urwaldbevölkerung vertrieben und ermordet, in China
die Uiguren um ihre Freiheit bangen müssen, oder Nordkorea als
„amüsantere DDR“ belächelt wird. Geschieht irgendwo Unrecht auf
der Welt, dann heißt es: „Ja, ist schlimm, müsste man mal was
gegen tun...“ Aber kaum „macht“ Israel etwas, dann ist die
Kacke am dampfen, aber so richtig und schon befindet sich ein
gewisser Teil Deutschlands in einem Hick-Hack aus Anklagen und
Rechtfertigungen.
Und
– gänzlich Deutsch – wissen es alle besser und eine
Freundschaft, ungeachtet der jeweiligen Positionen, scheint schier
unmöglich. Bei Politik hört der Spaß eben auf.
Ich
schreibe das hier nicht, weil ich ein besonderer Israel-Freund bin,
sondern weil es mir als eine relativ nüchterne Analyse des Ist-Zustands erscheint.
Und
dennoch wird gewahr, dass auch ich durch Verfassen dieses Textes und der offensichtlich oft und breit geführten Diskussionen mit anderen "Besessenen" schon
längst mit in den Sog der Obsession geraten bin und einen Platz unter meinesgleichen halte.
Den
eingeschworenen Philosemiten wird all das mit Sicherheit bekannt sein;
hoffentlich zu zustimmendem Nicken führen. Womöglich fühlt sich
sogar jemand ertappt und klopft sich in Gedanken milde, nachsichtig und väterlich auf die geistige Schulter. Das freut mich, aber gleichzeitig fordert es
mich auch heraus.
Ich
habe mich deswegen entschieden einfach die Political Correctness außer Acht zu lassen, ohne diese bewusst herauszufordern, mich von etwaiger Koketterie mit irgendwelchen
Gruppierungen und Werten fernzuhalten und rein subjektiv bzw. frei Schnauze zu
schreiben.
Und
hier schließt sich nun der Kreis zu den eingangs beschriebenen
Vorurteilen, Annahmen und Neurosen. Denn letztlich werde ich im
Folgenden einen großen Teil meines Denkens und meines Ichs
offenbaren und euch dadurch hoffentlich prächtig mit einer weiteren
Facetten des menschlichen „Bescheuert-Seins“ amüsieren.
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